am 19.02.2019

Nächster Halt: Seefeld

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Die deutschen Sportlerinnen demonstrieren bei den Wettbewerben im Allgäu ihre Teamstärke. In einer Woche geht’s zu den Titelkämpfen nach Tirol

In acht Tagen geht es für die deutschen Skispringerinnen bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld/Tirol um die ersten Medaillen. Bei der Premiere des Team-Wettbewerbs sind die Sportlerinnen haushohe Favoriten. Ihre mannschaftliche Geschlossenheit haben sie beim Heim-Weltcup in Oberstdorf mit guten Platzierungen einmal mehr unter Beweis gestellt. Bevor es Richtung Tirol geht, legt das deutsche Team noch eine weitere Trainingswoche im Allgäu ein. Bundestrainer Andreas Bauer (55) spricht von „Feinschliff“, wenngleich er seinen Springerinnen schon jetzt eine gute Form bescheinigt.

Katharina Althaus (22, Oberstdorf): „Sie hat sich nach der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen vergangenes Jahr noch positiver weiterentwickelt. Ihre Persönlichkeit ist gewachsen“, sagt der Bundestrainer. Althaus ist auch für die Wettbewerbe in Seefeld Deutschlands aussichtsreichste Medaillenkandidatin. Beim Heim-Weltcup glänzte sie mit den Rängen zwei und vier. Auch zum Saisonhöhepunkt wird es wohl auf das Dauerduell zwischen der Oberstdorferin und der Norwegerin Maren Lundby herauslaufen. Bauer sagt aber: „In den Qualis von Hinzenbach und Ljubno hat sie gezeigt, dass sie Maren ebenbürtig ist. Eine Woche vor Beginn der WM ist Katharina in absoluter Topform.“

Juliane Seyfarth (28, Ruhla): Derzeit die Nummer zwei in der Mannschaft. In Oberstdorf sprang sie auf die Plätze sechs und zwei, stellte zwischenzeitlich mit einem Riesensatz auf 135 Meter sogar den Schanzenrekord der Norwegerin Maren Lundby ein – bis diese im nächsten Sprung noch einen halben Meter drauf packte. Für die gebürtige Thüringerin, die mittlerweile Wahl-Allgäuerin ist, war der Podestplatz im zweiten Einzelwettbewerb ein vorzeitiges Geschenk zum 29. Geburtstag, den sie am morgigen Dienstag feiert. Seyfarth selbst fühlt sich bestens gerüstet für die WM und macht sich keinerlei Druck: „Ich glaube, wir können da ganz entspannt rangehen.“ Bundestrainer Bauer ist voll des Lobes. Seyfarth habe den Sommer über sehr viel im athletischen Bereich gearbeitet. Er sagt zudem: „Sie ist zwar nicht die beste Abspringerin, aber fliegen kann sie.“

Carina Vogt (27, Schwäbisch Gmünd): Sie ist derzeit in einer für sie ungewohnten Rolle: Hinter Althaus und Seyfarth gilt die 27-Jährige aktuell nur als Nummer drei im deutschen Team. Bauer meint: „Sie muss eine Spur geduldiger werden, dann klappt’s auch wieder mit dem Podest.“ In Oberstdorf wurde sie Achte und Siebte. An sich Top-Platzierungen, doch zufrieden wirkte Vogt mit sich und ihren Leistungen nicht. Dennoch: Rechnen muss man mit der 27-Jährigen immer. Vor allem bei sportlichen Großereignissen. Denn Vogt war in der Vergangenheit stets auf den Punkt topfit. Sie ist Olympiasiegerin und vierfache Weltmeisterin.

Ramona Straub (25, Langenordnach): Ramona Straub könnte im Team-Wettbewerb von Seefeld zum Zünglein an der Waage werden. Was sie kann, hat sie beim Heim-Weltcup gezeigt – mit den Rängen neun und 13. Bauer sagt: „Von Ramona bin ich positiv überrascht. Was sie drauf hat, ist unglaublich. Das Ganze ist halt noch nicht so filigran und ausgereift.“

Anna Rupprecht (22, Degenfeld) und Svenja Würth (25, Baiersbronn): Beide stritten sich am Wochenende um den fünften WM-Platz im deutschen Team. Bauers Entscheidung: „Sie waren ganz eng zusammen. Das Pendel hat aber zugunsten von Anna Rupprecht ausgeschlagen, weil sie jetzt schon fünfmal im Weltcup unter den Top 15 war.“

Text: Stephan Schöttl, Allgäuer Anzeigeblatt 18.02.2019