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Was gibt es Neues rund um die Audi Arena Allgäu Oberstdorf?

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am 11.02.2019

Comeback mit Höhen und Tiefen

Jonas Schmid beim Telemark-Weltcup in Bohinj

Jonas Schmid fährt bei seinem ersten Weltcup seit 2017 auf Platz zwei und Johanna Holzmann schafft’s am Oberjoch an beiden Tagen aufs Podest.

Jonas Schmid ist zurück. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht, hochgerissenen Armen und geballten Fäusten jubelt der 26-jährige Telemarker vom SC Oberstdorf ausgelassen im Zielbereich. Wenige Augenblicke zuvor hat sich der Oberallgäuer bei seinem ersten Weltcup nach knapp zweijähriger Verletzungspause Platz zwei gesichert – und das ausgerechnet beim Heimrennen am Oberjoch. Ein gelungenes Comeback, mit dem der Bad Hindelanger nie gerechnet hätte. „Dass es gleich auf Anhieb wieder so gut funktioniert, war nicht abzusehen. Es ist ein unglaubliches Gefühl, so stark zurückgekommen zu sein“, freut sich Schmid. Der gebürtige Oberstdorfer muss sich am Grenzwieslift lediglich dem Weltcup-Dritten Bastien Dayer aus der Schweiz geschlagen geben.

Für Schmid ist die Podest-Platzierung das Ende einer langen Leidenszeit. Im Winter 2017 stürzte er beim Skifahren mit Freunden schwer, erlitt einen doppelten Halswirbelbruch. „Ehrlich gesagt kann ich mich glücklich schätzen, dass ich überhaupt noch laufen kann. Das hätte auch ganz böse enden können“, blickt Schmid zurück. Nach seinem Sturz und einer langen Genesungsphase kämpfte sich der Allgäuer durch hartes Training zurück in den Wettkampf-Modus. „Ich habe die Pause intensiv genutzt, um mich technisch weiterzuentwickeln“, erzählt Schmid. Und den Beweis, dass er wieder ganz der Alte zu sein scheint, liefert der deutsche Teamkapitän beim Classic Sprint mit Rang zwei allemal.

Da dürfte es der WM-Bronze- Gewinner von 2015 sogar halbwegs verkraftet haben, dass für ihn tags darauf beim Parallel-Sprint, bei dem sich die Athleten auf direkt nebeneinanderliegenden Pisten zeitgleich miteinander messen, bereits im Achtelfinale Schluss ist. Aufgrund einer Kollision mit seinem Kontrahenten Noe Claye wird Schmid disqualifiziert. Er habe seine Richtung unerlaubt gewechselt und somit den Zusammenprall mit dem Franzosen provoziert, lautet die Begründung der Jury. Eine Entscheidung, die Schmid nicht nachvollziehen kann. „Das ist ärgerlich. Ich wollte kurz nach dem Kreisel ganz normal innen an ihm vorbeiziehen. Es ist schade, dass die Jury so entschieden hat. Aber das muss ich akzeptieren“, sagt Schmid. Sein Fokus liege jetzt voll und ganz auf der Weltmeisterschaft Mitte März im norwegischen Rjukan. „Da will ich’s richtig rauchen lassen“, zeigt sich der Hindelanger schon wieder angriffslustig. Den Parallel-Sprint der Männer gewinnt Trym Nygaard Loeken (Norwegen) vor dem Franzosen Philippe Lau und Stefan Matter aus der Schweiz.

Bei den Frauen ist die Seriensiegerin und Gesamtführende des Weltcups Amelie Wenger-Reymond (Schweiz) einmal mehr das Maß der Dinge. Die 31-Jährige siegte bereits am Samstag im Classic Sprint. Am darauffolgenden Tag ringt sie in einem packenden Finale Lokalmatadorin Johanna Holzmann vom SC Oberstdorf nieder, setzt sich letztlich mit einem hauchdünnen Vorsprung von 16tausendstel Sekunden durch und sichert sich ihren zweiten Triumph. Wenger-Reymond sagt anschließend: „Es war so eng zwischen uns, dass ich anfangs gar nicht wusste, wer gewonnen hat. Ich habe es erst realisiert, als das Ergebnis auf der großen LED–Wand eingeblendet wurde.“ Holzmann, die sich der Schweizerin schon im Classic Sprint nur knapp geschlagen geben musste, meint: „Schade, dass es nicht für den Sieg gereicht hat. Aber ich bin an beiden Tagen leider nicht fehlerfrei gefahren.“ Im Großen und Ganzen sei sie dennoch glücklich über ihr Abschneiden beim Heimrennen. Schließlich sind die beiden zweiten Plätze die bislang besten Saisonergebnisse der 23-jährigen Allgäuerin. „Der Start in den Winter war bei mir ein bisschen holprig. Aber jetzt komme ich immer besser in Fahrt. Ich hoffe, dass es in den nächsten Rennen auch wieder für ganz vorne reicht“, sagt die zwölffache Junioren- Weltmeisterin.

Grund zur Freude hat auch ihr älterer Bruder Benedikt Holzmann. Der 27-Jährige feiert mit Rang drei im Classic Sprint seinen ersten Podest-Erfolg am Oberjoch. „Ich bin jetzt genau da, wo ich hin wollte. Das war ein super Wochenende für mich“, resümiert Holzmann.

Text: Allgäuer Anzeigeblatt, 11.02.2019

am 03.02.2019

Stimmen nach dem 3. Wettkampftag

Siegerehrung Sonntag

Klimov: "Der schönste Geburtstag meines Lebens!"

KAMIL STOCH (Platz 1, Polen):
„Das Gefühl fürs Fliegen war heute gut. Die Bedingungen waren schwierig und wir mussten vorsichtig sein, aber die Anlage war sehr gut präpariert. Ich war sehr zufrieden. Diese Schanze liebe ich, weil sie ein besonderes Profil hat, weil du hier das Fliegen genießen kannst und das Publikum gut siehst und hörst.
Kobayashi ist in fantastischer Form, aber für mich geht es nicht darum, ihn zu schlagen, sondern auf meine eigene Leistung zu schauen. Es gibt in der nächsten Zeit noch ein paar schöne Wettkämpfe.“

EVGENY KLIMOV (Platz 2, Russland):
„Nach dem 23. und dem 29. Platz an den Vortagen bin ich an meinem Geburtstag sehr glücklich über den zweiten Platz heute. Das ist der schönste Geburtstag in meinem Leben. Vor vier Jahren bin ich von der Nordischen Kombination zu den Spezialspringern gewechselt. Diese Entscheidung wurde damals in Abstimmung mit den Trainern beider Disziplinen getroffen. Es war harte Arbeit, aber der richtige Weg, auf dem ich mich Stück für Stück voran gearbeitet habe. Dieser zweite Platz ist wieder ein guter Schritt in Richtung Weltmeisterschaft.“

DAWID KUBACKI (Platz 3, Polen):
„ Gestern ist es nicht so gut gelaufen. Ich habe meine Beine gespürt nach dem harten ersten Tag. Aber dieser eine Aussetzer macht nichts, darüber werde ich nicht jammern, sondern weitermachen. Der dritte Platz heute hat gezeigt, dass es gut weiter geht. Mein erster Sieg in Predazzo war sehr gut und dafür habe ich lang gearbeitet. Er war die Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Nun heißt es, sich nicht drauf auszuruhen, sondern nach vorn schauen. Ein großer Dank gilt unseren vielen polnischen Fans, die überall mit hinreisen und uns großartig unterstützen. Auch hier in Oberstdorf.“

MARKUS EISENBICHLER (TSV Siegsdorf/10.):
„Ich glaube, die Möglichkeiten wären schon da gewesen. Beim zweiten hätte ich eigentlich die Möglichkeit gehabt. Ich merke einfach, dass die Luft raus ist. Die letzten zwei Tage haben total geschlaucht, wir tun uns extrem schwer. Auch das lange Warten heute bei der Quali, wenn man nicht weiß was los ist, hat auch nicht geholfen. Rundrum bin ich aber eigentlich echt zufrieden. Ich bin heute noch mal Zehnter geworden, das ist auch nicht so schlecht. Natürlich wäre heute mehr drin gewesen, aber ich bin einfach ein bisschen durch, und fertig. Ich bin froh, wenn ich heim komme und ein bisschen Ruhe habe.

Mein allgemeines Fazit für dieses Wochenende lautet kurz und knapp: sehr gut!

Ich muss noch mit den Trainern reden, aber ich würde sehr gerne Lahti auslassen. Ich möchte lieber zu Hause trainieren, und mich erholen und dann in Willingen wieder angreifen und noch mal reinkommen.

Es war in den letzten Wochen schon sehr viel, ich habe ein bisschen das Selbstvertrauen verloren. Ich konnte das alles von den letzten Wochen auch nicht richtig verarbeiten, war alles Schlag auf Schlag gehen. Dann kann man schon mal den Fokus verlieren. Grundsätzlich bin ich sehr zufrieden wie es gelaufen ist und muss mich jetzt einfach erst mal erholen.

Beim Skispringen geht es ganz schnell mal bergauf oder bergab. Bei uns ist im Moment im Team der Wurm drin, ich weiß auch nicht warum."

Bundestrainer Werner Schuster:
" Wenn du beim Skifliegen zu lang hinterher läufst, verlierst du das Zutrauen. Es ist sehr schwierig, bei 100 km/h einzugreifen. Das war deutlich unter dem Niveau, was die Jungs springen können, und was wir uns erwarten.

Grundsätzlich ist es aber speziell mit Markus deutlich besser gelaufen als ich es gedacht hatte. Es waren ein paar fantastische Flüge dabei. Aber bei den anderen ist es einfach so, bei ihnen passen Kleinigkeiten nicht, und je länger du auf dieser Schanze hier bist, um so verkrampfter bist du. Und deswegen war es natürlich weit weg von dem Leistungsniveau, das die Jungs wirklich drauf haben.

Anders wäre es mir natürlich schon lieber gewesen. Man sieht hier, die Polen sind sehr sauber gesprungen, kommen auch als starke Mannschaft. Die Norweger waren als Team vielleicht nicht ganz so gut, aber mit Tande hatten sie schon einen guten, auch die Österreicher haben einen Auftrieb, also leicht wird es nicht für uns.

Es wird schon hoher Anstrengung bedürfen und großer Konzentration, um in den nächsten zwei Wochen einen Schritt nach vorne machen zu können. Wir werden versuchen, es zu analysieren und zu steuern. Die Zeit ist knapp. Lahti kommt jetzt grad recht. Das ist eine Schanze, die die Jungs gut kennen und wo auch jemand wie Richard Freitag wieder einen Schritt nach vorne machen kann. Das ist die Hoffnung, aber leicht ist es nicht."

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am 03.02.2019

Polnischer Jubeltag in Oberstdorf

Siegerehrung Sonntag

Kamil Stoch jubelt beim dritten Einzelfliegen. Weitere drei Landsmänner unter den Top 6. Russe Klimov beschenkt sich zu seinem 25. Geburtstag mit Platz zwei. Walter Hofer lobt die Oberstdorfer Helfer

Das war ein starker Skiflugtag für die Polen. Kamil Stoch feierte seinen ersten Saisonsieg und Teamkollege Dawid Kubacki flog nach seinem 2. Platz am Freitag zwei Tage später erneut aufs Podium. Rang 3 für ihn , Piotr Zyla als Vierter und Jakub Wolny (6) machten den Erfolg der polnischen Mannschaft perfekt. Eingepackt in das Polen-Paket, holte Evgeny Klimov RUS) sich an seinem 25. Geburtstag den zweiten Platz.
Für die Deutschen lief es dagegen nicht nach Maß. Markus Eisenbichler landete als bester DSV-Athlet auf dem 10. Platz. Zum mäßigen Abschneiden seiner Teamkollegen sagte Eisenbichler: „Bei uns ist zur Zeit der Wurm drin. Warum, weiß ich auch nicht.“

Beim abschließenden von drei Weltcups an einem strapaziösen Wochenende erzielte Stoch mit Flügen auf 214,5 und 227 Meter insgesamt 413,2 Punkte und schenkte seiner Frau Ewa zu ihrem Geburtstag elf Monate nach dem Erfolg in Planica wieder einen Weltcup-Sieg. Stoch setzte sich deutlich vor den Russen Evgeny Klimov, der 220,5 und 223,5 Meter weit flog und damit 407,9 Punkte sammelte. Dawid Kubacki machten den polnischen Erfolg perfekt mit Weiten von 207 und 228,5 Metern (405,4 P).
Ryoyu Kobayashi (JPN), der nach dem ersten Durchgang noch vorn lag, fiel dagegen im zweiten Versuch auf den neunten Rang zurück.
Auch die Deutschen bleiben hinter den Erwartungen zurück. Markus Eisenbichler, der gestern noch über seinen zweiten Platz jubelte, erreichte nur den zehnten Platz. Weltcup-Punkte sammelten Stephan Leyhe (17.), Martin Hamann (29.) und Karl Geiger (30.). Doppel-Olympiasieger Andreas Wellinger verpasste den zweiten Durchgang. Constantin Schmid (42.) und Richard Freitag (48.) gelang nicht einmal der Flug in die Qualifikation.
Nicht nur für die Athleten, die nach drei Wettkamptagen bis zu elf Flügen in den Knochen hatten, ging ein anspruchsvolles Wochenende vorüber. Auch die Veranstalter hatten alle Hände voll zu tun, um bei dem starken Schneefall heute faire Wettkampfbedingungen zu schaffen. Umso wohler tat die Anerkennung von Walter Hofer. „Ohne das erfahrene Team in Oberstdorf wäre dieser Weltcup nicht durchführbar gewesen. Dafür gebührt den Helfern der erste Platz“, sagte der Renndirektor des Internationalen Skiverbandes nach der Veranstaltung.

am 03.02.2019

WM in Seefeld lockt mit kostenloser Anreise

C. Scherer, Snowie , S. Kraft, J. Schmid

Organisatoren der Titelkämpfe in Tirol rühren in Oberstdorf die Werbetrommel

Die Organisatoren der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Seefeld, die am 19. Februar beginnt und bei der bis 3. März 66 Medaillen im Skispringen und in der Nordischen Kombination vergeben werden, haben beim Skiflug-Weltcup in Oberstdorf noch einmal kräftig die Werbetrommel gerührt. Generalsekretär Christian Scherer, Pressechef Joe Schmid und Skisprung-Ass Stefan Kraft wollen vor allem den Skisport-Fans aus Deutschland einen Ausflug zur WM schmackhaft machen. Dazu zählt vor allem eine kostenlose Anreise mit dem Zug. "Wer eine Eintrittskarte erwirbt, kann von München die Werdenfels-Bahn bis Seefeld kostenlos für die An- und Abreise nutzen", verkündete Scherer. Wer mit dem Auto anreist, könne auf kostenlose Parkplätze und Shuttle-Busse zurückgreifen.

In einer vom ehemaligen ARD-Sportkoordinator Werner Rabe moderierten Pressekonferenz zeigten sich die Organisatoren mit dem bisherigen Ticket-Vorverkauf sehr zufrieden. 135 000 Eintrittskarten seien bereits an den Wintersportfan gebracht. Gleichwohl werden die WM-Organisatoren zusammen mit dem Österreichischen Skiverband die Werbe- und PR-Maßnahmen in den nächsten Tagen vor allem auf dem deutschen und österreichischen Markt noch intensivieren. Die Nachfrage sei gerade in Norwegen bisher sehr groß.

Der ÖSV glaubt, nun auch mit den österreichischen Sportlern jede Menge Zugpferde zu haben. "Wir haben schon ein bisschen gezittert in den letzten Wochen, als die Leistungen der ÖSV-Skispringer nicht so rosig waren", gestand Schmid. Nun habe man aber vor allem mit Stefan Kraft wieder ein ganz heißes Eisen im Feuer. Auch bei den Kombinierern gäbe es hoffnungsvolle Aspiranten auf Gold, Silber und Bronze. Lediglich im Langlauf könne man nicht mit absoluten Spitzenplätzen rechnen. "Eigentlich haben wir mit Teresa Stadlober nur eine Sportlerin, die mitmischen kann. Wir hoffen, dass es gelingt, wenn nicht, wird die Welt auch nicht untergehen", hängt Schmid die Erwartungen bewusst niedrig.

Scherer unterstrich, dass die WM-Vorbereitungen bereits in vollem Gange sind. "Alles ist auf Schiene", so Scherer, sowohl beim Aufbau der Zuschauer-Tribünen als auch des Pressezentrums. 450 Medienvertreter und Fotografen werden in Tirol erwartet, 22 TV-Stationen haben ihr Kommen bereits zugesagt. Die WM-Organisatoren brachten noch einmal ihre Freude zum Ausdruck, dass der Teamwettbewerb beim Frauen-Skispringen nun doch noch ins Programm aufgenommen wurde. Damit werde der 26. Februar zum "Super-Tuesday". "Da wollen wir ein volles Haus haben", sagte Scherer, und versprach, die Ticketpreise für diesen Tag trotz eines zusätzlichen Wettkampfs nicht extra anzuheben.

Neben den über 700 Athleten aus 62 Nationen (darunter auch Madagaskar) erwarte man in Seefeld auch jede Menge Prominenz. So gibt es bereits die Zusage, dass die Königshäuser von Norwegen und Schweden sowie hochrangige Politiker aus der ganzen Welt nach Tirol kommen werden. Auch die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen stehe auf der Gästeliste.

Nach den jüngsten Erfolgen im Weltcup freut sich auch Stefan Kraft auf die WM in Seefeld. "Ich bin überzeugt, das wird ein Riesenerlebnis für die Zuschauer. Auch für uns Sportler wird das eine Megaveranstaltung. Ich will mir nicht zu viel Druck machen, aber eine Heim-WM passiert dir halt nur einmal in der Karriere. Da will man natürlich besonders gut abschneiden." Dass die nächsten beiden Weltmeisterschaften, Seefeld 2019 und Oberstdorf 2021, geographisch so nah beieinander liegen, sei für die Fans in Deutschland und Österreich "einfach nur genial". Sprach's, stellte sich mit dem WM-Maskottchen "Snowie" zum Fotoshooting, ging zur Schanze - und sprang aufs Podest. Eine bessere Werbung für die Heim-WM kann Kraft nicht machen...

Die Fotos (alle von Ralf Lienert) zeigen
(1) Generalsekretär Christian Scherer, Maskottchen "Snowie", Stefan Kraft und WM-Pressechef Josef Schmid
(2) ÖSV-Adler Stefan Kraft mit Seefeld-Maskottchen "Snowie"
(3) Generalsekretär Christian Scherer und WM-Pressechef Josef Schmid

am 03.02.2019

Harter Job für Tretkommando

Tretkommando

Der Schnee muss aus dem Aufsprunghügel

Einen harten Job leistet das Tretkommando beim dritten Skiflug-Wettbewerb in Oberstdorf. Der Schnee muss aus der Anlaufspur und auch aus dem Aufsprunghügel, damit die Flieger sicher landen können. Die grobe Arbeit wird von der Pistenwalze erledigt, für den schweißtreibenden Feinschliff sind die „Tapper“ verantwortlich. In dem steilen Gelände eine anspruchsvolle Aufgabe, die hier von den mehr als 20 ehrenamtlichen Helfern getan wird, damit der Wettkampf wie geplant über die Bühne gehen kann.

am 02.02.2019

„Sieg oder Sarg“ – Eisenbichler riskiert viel und kommt auf Platz zwei

Flower Ceremony Samstag

Japaner Kobayashi schafft in Oberstdorf den zehnten Weltcup-Sieg der Saison – und seinen ersten auf einer Skiflug-Schanze

„Sieg oder Sarg“ – nach diesem Motto wollte Markus Eisenbichler im zweiten Durchgang beim zweiten Skiflugtag in Oberstdorf angreifen. Eine harte Ansage, aber nach seinem ersten Flug für den Siegsdorfer offenbar nötig, um sich voll motivieren zu können. Mit dem Sieg wurde es dann zwar nichts, aber unter dem Jubel von 17.500 Zuschauern an der Heini-Klopfer-Skiflugschanze holte sich der Deutsche wieder einmal den zweiten Rang hinter dem Japaner Ryoyu Kobayashi und dem Österreicher Stefan Kraft. Die drei an der Spitze hatten es ungeheuer spannend gemacht und auch Piotr Zyla (Polen), Philipp Aschenwald (Österreich) und der Vortagesssieger Timi Zajc (Slowenien) mischten nach dem ersten Durchgang noch mit um die Podestplätze, gingen am Ende aber leer aus.
Es war eine Zitterpartie um den Sieg, zu dem Markus Eisenbichler am Ende 0,5 Punkte oder etwa 40 Zentimeter fehlten. Im zweiten Durchgang entschied sich der Siegsdorfer für die volle Attacke, verzichtete nach dem Überfliegen der grünen Linie jedoch auf einen sauberen Telemark. Mit der Tagesbestweite von 237,5 Metern kratzte Eisenbichler sogar am 2018 bei der WM aufgestellten Schanzenrekord von Daniel Andre Tande, verpasste ihn aber um einen Meter.

Mit Flügen auf 224 und 234 Meter war am Ende der 22-jährige Japaner ganz vorn. Mit 427 Punkten reichte es hauchdünn vor Eisenbichler, der mit 219,5 und 237,5 Metern auf 426,5 Punkte kam. Für Stefan Kraft, der in Oberstdorf eigentlich schon ein Dauer-Abonnement auf Podestplätze hat, reichte es mit Weiten von 213 und 230 Metern (421,7 Punkte) für Rang drei.
Karl Geiger wurde 18., Richard Freitag flog auf Rang 20 und der Newcomer Martin Hamann landete auf Platz 30. Stefan Leyhe erreichte den Durchgang 2 ebenso wenig wie Constantin Schmid Andreas Wellinger konnte sich erst gar nicht für den Wettkampf qualifizieren.

am 02.02.2019

Stimmen nach dem zweiten Wettkampftag

Markus Eisenbichler im Auslauf

Kobayashi über seinen ersten Triumph beim Skifliegen - Eisenbichler verzichtet auf Telemark-Landung

Ryoyu Kobayashi (Japan, 1. Platz):
„Als ich die grüne Linie überflogen hatte, wusste ich schon, dass ich gesiegt habe. Aber erst der Blick in die Ergebnisliste zeigt mir, wie knapp es eigentlich war. Erst heute habe ich das Gefühl gehabt, mit dem Skifliegen gut klarzukommen. Fünf Flüge gestern, drei heute, das ist schon eine extrem Belastung. Ich merke, wie die Muskulatur in den Oberschenkeln fest wird. Wie es morgen geht, weiß ich nicht, aber ich möchte das Fliegen genießen.“

Markus Eisenbichler (TSV Siegsdorf, 2. Platz):
Im Auslauf: „Das war wirklich ein guter Tag heute. Ich bin echt zufrieden mit dem zweiten Platz, und das Gefühl hier runter zu fliegen ist unbeschreiblich. Das ist einfach ein geiler Hill, ich bin wirklich zufrieden.“

Bei der Pressekonferenz: „Sieg oder Sarg, das war für mich das Motto nach dem ersten Flug, wo ich doch was hab liegen lassen. Die volle Attacke ist oft gefährlich, aber ich habe gerade eine gute Form und vertraue mir. Ich hab mir noch überlegt, ob Telemark oder nicht und mich dann entschieden, einen souveränen Kachler zu machen. Es gibt kein geileres Gefühl, als auf so einer Schanze die letzten Meter herauszukitzeln. Heute früh war ich schon extrem platt. Die fünf Flüge von gestern stecken einem schon enorm in den Knochen. Ich habe schlecht geschlafen und bin heute ein paar Jahre älter aufgewacht. Vor Kobayashi ziehe ich den Hut, er hat gut performed. Aber ich war auch nicht schlecht und für morgen wünsche ich mir zwei lange Flüge und ein gutes Ergebnis.“

Stefan Kraft (Österreich, 3. Platz):
„Ich war schon gestern mit dem sechsten Platz nicht unzufrieden. Da war mein erster Sprung wirklich gut, der zweite war etwas schwierig. Es ist tatsächlich ein sehr enger Wettbewerb an diesem Wochenende, ein kleiner Fehler macht einen großen Unterschied. Daher bin ich sehr froh, immer an der Spitze zu sein.
Nun, zu Beginn der Saison hatte ich nur wenig Selbstvertrauen. Ich habe einfach zu viel nachgedacht. Ich hatte gehofft, jedes Wochenende besser zu werden, und daran habe ich gearbeitet. Jetzt mache ich einfach weiter und arbeite jedes Wochenende hart.
Ja, die fünf Sprünge gestern waren schon anstrengend: Ich habe dieses kleine Bier gestern mehr als sonst gespürt (lacht). Aber wir werden uns heute schon auch noch kleines Bier genehmigen und Elektrolyte zu uns nehmen – außerdem hat Clemens Aigner heute ja auch noch Geburtstag. Ehrlich gesagt waren die fünf Sprünge gestern etwas hart, die drei heute waren okay. Ich muss Kobayashi loben: Das hat er wirklich gut gemacht. Er hat gezeigt, dass er wieder in einer sensationellen Form und wirklich der Mann des Jahres ist.“

Bundestrainer Werner Schuster:
„Mir war schon im Vorfeld klar, dass es in diesem Jahr mit dem Skifliegen nicht einfach wird. Gestern allerdings ist es für die ganze Mannschaft einen Schritt nach vorn gegangen. Leider ist Andi Wellinger wieder in die gleiche Falle getappt . Nach seinem Auftritt gestern hat er am Erfolg geschnuppert und versucht, gleich wieder zwei Schritte nach vorn zu machen. Aber beim Skifliegen kassierst du bei kleinen Fehlern nicht nur ein paar Meter, sondern liegst gleich mal 20 oder 30 Meter hinten.
Markus Eisenbichler hat hier bisher acht gute Sprünge gehabt und es ist angenehm, wieder einen vorn drin zu haben. Für alle anderen gilt, sich morgen und über Lahti und Willingen vor der WM noch den letzten Punch zu holen.
Dass Stefan Leyhe sich nicht mal für den zweiten Durchgang qualifizieren konnte, ist unangenehm. Bei ihm sind die Ansprüche gestiegen und in der Quali hat er gemerkt, dass was geht. Und dann ist er in die gleiche Falle getappt wie Andi Wellinger. Da bist du dann schnell von Platz 11 auf Platz 35 zurück. Auch Dawid Kubacki ist es so gegangen. Ich freue mich, dass es Markus so gut geht. Bei ihm stimmt seit Monaten das Gesamtpaket und aufs Skifliegen hat er sich gefreut.
Die anderen, bei denen es nicht so gut geht, ist meine Empfehlung, in den Wettkämpfen in Lahti und Willingen weiterzumachen. Für die Weltmeisterschaft könnte es knapp werden, aber in der Einöde zu trainieren, bringt nichts. Das gilt für Andreas Wellinger ebenso wie für Richard Freitag.“

Karl Geiger (SC Oberstdorf, 18. Platz):
„Ich habe einfach leider einen groben Schnitzer gemacht, habe es aber auch gespürt. Man muss einfach sagen: Nicht jeder Tag ist gleich, und man kann nicht sagen, jetzt habe ich den Punkt geschafft und verdiene mir den nächsten oben drauf. Ich muss einfach Schritt für Schritt gehen, und da kann einem auch mal einen Schnitzer passieren. Das kann auch morgen passieren, aber natürlich hoffe ich das nicht.
So viele Zuschauer heute, das war wirklich cool. Hut ab, es war auch ein geiles Fliegen, es waren viele coole Sprünge dabei. Es hat richtig Spaß gemacht hier heute zu springen!
Jetzt gilt für mich das gleiche Programm wie gestern, heimgehen, ins Bett legen und ausruhen!“

Richard Freitag (SG Nickelhütte Aue, 20. Platz):
„Ich komme leider einfach nicht ganz rein. Bei mir ist es etwas mehr Skispringen, ein bisschen weit weg von da wo ich sein möchte. Auch wenn es schwer fällt, macht es Spaß dran zu bleiben und zu tüfteln, zu versuchen es zu verbessern. Natürlich bleibe ich dran und morgen ist ja auch noch ein Tag. Auf jeden Fall muss ich den Hut ziehen vor den Platzierten heute. Das haben die drei echt stark gemacht. Der Eisei, toll, gestern Dritter, heute Zweiter, mal gucken was morgen ist. Er hat es auf jeden Fall drauf. Das ist echt knapp gewesen.
Die Bedingungen waren heute gut, ziemlich fair und die Stimmung einfach großartig. In Oberstdorf ist es mit den vielen Zuschauern echt fein. Wenn man oben am Anlauf noch warten muss und noch ein zwei Springer lang die Stimmung unten genießen, das ist schon super!“

am 02.02.2019

Weihnachtsgeschenk eingelöst

Hanne Lingg mit Freunden

Hanne Lingg vom Organisationskomitee erfüllt kleinem Skiflugfan einen großen Wunsch

„Ganz toll ist es hier “ jubelt Gustav begeistert. Der Kleine ist ein leidenschaftlicher Skisprung-Fan und ist zum ersten Mal bei einem solch großen Wintersport-Event. Und das sogar bei einem Weltcup im Skifliegen. Mit seinen Eltern Andreas und Michaela hat er sich auf die weite Reise von Lage-Lippe nach Oberstdorf gemacht, um die besten deutschen Skispringer zu sehen. Den Traum, bei einem Wettkampf dabei zu sein, hat ihm Hanne Lingg erfüllt. Die „gute Seele“ aus dem OK-Büro hatte die Familie auf einer Donau-Kreuzfahrt kennen gelernt und für Gustav das „Christkindle“ gespielt. An Weihnachten lagen für ihn die Tickets unterm Baum.

am 02.02.2019

Wettkampf-Infos / Competition facts

Skifliegen Freitag 01.02.2019

Jünger war nur Innauer / Only Innauer was younger

Wettkampf-Infos

Timi Zajc (Slowenien) ist der zweitjüngste Sieger an der Heini-Klopfer- Skiflugschanze. Er war bei seinem Erfolg am gestrigen Freitag exakt 18 Jahre und 281 Tage alt. Jünger war nur Toni Innauer (Österreich), der 1976 mit 17 Jahren und 340 Tagen jubelte. Innauer verbesserte 1976 seinen eigenen Schanzenrekord von 174 auf 176 Meter. Zajc's Bestweite am gestrigen Freitag betrug 233,5 Meter. Es war der erste Skiflug-Wettbewerb in der Karriere des jungen Slowenen.

Der Schanzenrekord in Oberstdorf liegt bei 238,5 Meter - aufgestellt vom Norweger Daniel-André Tande im vergangenen Jahr bei der Skiflug-WM 2018.

Die Heini-Klopfer-Skiflug-Schanze wird in diesem Jahr 70 Jahre alt. Weil die deutschen Skispringer damals nach dem zweiten Weltkrieg von der FIS von allen internationalen Wettbewerben ausgeschlossen waren, entschloss sich der Namensgeber und Schanzenbauer Heini Klopfer zum Bau einer eigenen Skiflugschanze. 1949 begann er mit dem Bau im Stillachtal - Innerhalb nur weniger Monate entstand hier nach Planica/Slowenien die zweite Skiflug-Schanze der Welt. Im März 1950 wurde während der ersten Skiflugwoche in Oberstdorf während sechs Tagen hindurch geflogen. Über 200.000 Zuschauer kamen damals zu diesem Flug-Spektakel.

Competition Facts

Timi Zajc (Slovenia) is the second youngest winner at the Heini-Klopfer-Skiflying Hill. He was exactly 18 years and 281 days old in his success last Friday. Only Toni Innauer (Austria), who cheered in 1976 with 17 years and 340 days, was younger. In 1976, Innauer improved his own hill record from 174 to 176 meters. Zajc's best jump yesterday was 233.5 meters. It was the first ski flying competition in the career of the young Slovene.

The hill record in Oberstdorf is 238.5 meters - set up by the Norwegian Daniel-André Tande last year at the Ski Flying World Championships 2018.

The Heini-Klopfer-Ski-Flying-Hill will be 70 years old this year. Because the German ski jumpers were excluded from all international competitions by the FIS after World War II, ski jumper and architect Heini Klopfer decided to build a own ski flying hill for Germany. In 1949 he started building in Stillachtal - within only a few months, the second skiflying hill in the world (after Planica/Slowenia) was created here. In March 1950 during the first ski flying week in Oberstdorf the athletes were flying six days (!) long. Over 200,000 spectators came to this breathtaking event.

am 02.02.2019

Feuertaufe auf der Skiflugschanze

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Adrian Sell knackt auf Anhieb die 200-Meter-Marke und schwärmt vom coolen Jungfernflug

Eine echte Feuertaufe hatten Adrian Sell (20) und Tim Fuchs (21) an diesem Wochenende im Stillachtal zu bestehen. Zum allerersten Mal durften die beiden B-Kader-Athleten von der Flugschanze hinunter. „Die Schanze einfliegen“ war ihr Job – und den erledigte Adrian Sell gleich mal so gut, dass er die 200-Meter-Marke knackte und im dritten Versuch sogar auf 223 Metern segelte. „Respekt ja, aber Angst darfst du nicht haben“, sind sich die zwei am Tag nach ihren Jungfernflügen einig.

Noch ganz euphorisch waren die beiden Nachwuchssportler, die am Stützpunkt in Oberstdorf trainieren, am Tag danach von ihren Erfahrungen auf der imposanten Fluganlage. Adrian Sell, der 20-Jährige vom SV Meßstetten, erzählt von seiner extremen Anspannung vor dem ersten Flug. „Vom Gefühl her erschrickst du erstmal, wenn du die Kante siehst und dann schaust du nur noch in ein tiefes Loch“, beschreibt er seine Gefühle. Andererseits habe er den Absprung als viel leichter empfunden. „Du hast ja viel mehr Speed als auf einer Sprungschanze“, so Sell. Dass es gleich so weit gehen würde, hatte er dann doch nicht erwartet. Drei Flüge auf 208, 198 und 223 Meter waren seine stolze Bilanz. „Ich springe, seit ich 14 Jahre alt bin, aber das Gefühl habe ich noch nie erlebt“, schwärmt der 20-Jährige. Sicher habe er sich auch gedacht, ein Flug auf 230 Meter wäre noch cooler gewesen. Aber er weiß: „Genau wie auf der Sprungschanze darfst du hier nicht zu viel wollen, sonst verkrampfst du“.

Kollege Tim Fuchs (21) vom SC Degenfeld bestätigt die Eindrücke. Den Umstieg zur nächstgrößeren Schanze, den kennen sie ja inzwischen. „Aber hier ist alles doch noch viel krasser“, meint er mit Blick auf die Riesenanlage. In der Luft fühle man sich wie in Zeitlupe. Der 21-Jährige hatte es allerdings nicht über die 200 Meter geschafft und hadert ein wenig mit seiner Leistung. Im dritten und letzten Versuch, der ihn auf 194 Meter Weite brachte, hatte er ein gutes Gefühl. „Aber irgendwie ist mir unterwegs der Saft ausgegangen“, bedauert er. Der Blick bleibt jedoch nach vorn gerichtet. „Ich möchte hier schon noch herausfinden, wie weit es geht“. Den beiden Youngsters bleibt noch viel Zeit, das zu erkunden.

31 bis 40 von 1161123456789